Free Cash Flow: Definition, Formel & Berechnung

1998
Free Cash Flow: Definition, Formel & Berechnung

In der Liquiditätsplanung eines Unternehmens spielt der Free Cash Flow (FCF) – der Freie Cash Flow – eine besondere Rolle, denn nur diese Finanzmittel stehen tatsächlich zur Verfügung, um Kapitalgeber oder Eigentümer bzw. Beteiligte und Aktionäre zu bedienen. Die Berechnung des Free Cash Flow erfolgt im Controlling durch die Auswertung der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung. Dabei ist stets nur eine Momentaufnahme möglich, da sich der Wert durch die Ein- und Auszahlungen des Unternehmens stets verändert.

Free Cash Flow – die Definition dieser Kennzahl

Der Cash Flow (oder auch Cashflow) ist eine finanzielle Größe innerhalb eines Unternehmens, die den Zahlungsmittelüberschuss darstellt, der innerhalb einer Periode erwirtschaftet wird. Ein hoher Cash Flow zeugt von einer guten Innenfinanzierungskraft des Betriebes – er vereinnahmt mit seinen Produkten bzw. Dienstleistungen so hohe Erlöse, dass die Kosten gedeckt sind und sogar etwas übrig bleibt, um Investitionen aus eigener Kraft zu tätigen und Gewinne auszuschütten. Betrachtet werden dabei alle zahlungswirksamen Vorgänge innerhalb einer Periode.

Betriebswirtschaftler ermitteln verschiedene Cash Flows. So wird der Zahlungsüberschuss aus dem eigentlichen Prozess der Leistungserstellung auch als Cash Flow aus operativer Geschäftstätigkeit bezeichnet. Ermittelt wird außerdem der Cashflow aus Investitionstätigkeit als Saldo zwischen Ein- und Auszahlungen für Investitionen in immaterielle Wirtschaftsgüter und Sachanlagen. Der Free Cash Flow definiert sich als die Summer aus dem Cash Flow aus operativer Tätigkeit und dem Cash Flow der Investitionstätigkeit.

Die Formel zur Berechnung des Free Cash Flow

Für die Ermittlung des Free Cash Flow benötigst du Zugang zu den Bilanzen und der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens. Erleichtert wird die Berechnung, wenn dir alle Informationen aus dem Rechnungswesen zur Verfügung stehen. Externe Bilanzanalytiker haben es schwer, die Liquiditätsflüsse nachzuvollziehen.

Ermittle zuerst den operativen Cash Flow. Das kannst du nach der direkten oder der indirekten Methode:

a) Direkte Ermittlung des Cash Flow

Einzahlungen der Kunden für Produkte und Dienstleistungen innerhalb der Periode
– Auszahlungen für Lieferanten und Dienstleister sowie für Löhne und Gehälter
+ sonstige Einzahlungen (nicht aus Investitionstätigkeit)
– sonstige Auszahlungen (nicht aus Investitionstätigkeit)
= Cash Flow aus operativen Geschäften

b) Indirekte Ermittlung des operativen Cash Flow

Jahresüberschuss der Gewinn- und Verlustrechnung
+ Abschreibungen / – Zuschreibungen auf Anlagewerte
+ sonstige nicht zahlungswirksame Aufwendungen (z. B. Rückstellungen)
– sonstige nicht zahlungswirksame Erlöse
+ Zinsausgaben
+ Verlust / – Gewinn aus Abgängen des Anlagevermögens
+ Abnahme / – Zunahme an Vorräten
+ Abnahme / – Zunahme an Forderungen
– Abnahme / + Zunahme an Verbindlichkeiten
= Cash Flow aus operativen Geschäften

Anschließend kannst du den Cash Flow aus der Investitionstätigkeit ermitteln. Dieser ist meist negativ, da in der Regel die Auszahlungen für Investitionen höher sind als die Einnahmen für bereits genutztes Anlagevermögen:

Einzahlungen aus Abgängen des Sachanlagevermögens
+ Einzahlungen aus Abgängen des Finanzanlagevermögens
– Auszahlungen für Investitionen in das Anlagevermögen
– Auszahlungen für Investitionen in das Finanzanlagevermögen
– Auszahlungen für Darlehen an Dritte
= Cash Flow aus Investitionstätigkeit

Beide Positionen zusammen ergeben den Free Cash Flow:

Cash Flow aus operativen Geschäften
+ Cash Flow aus Investitionstätigkeit
= Free Cash Flow

Formel: Free Cash Flow
Formel: Free Cash Flow

Free Cash Flow einfach erklärt: Ein Beispiel

Aus dem Rechnungswesen deines Unternehmens erhältst du alle Informationen, die du benötigst:

Einzahlungen der Kunden für Produkte 1.000.000 €
– Auszahlungen für den Wareneinkauf, für
Löhne und Gehälter und alle anderen Aufwendungen – 700.000 €
+ sonstige Einzahlungen + 10.000 €
– Sonstige Auszahlungen – 20.000 €
= operativer Cash Flow = 290.000 €

Einzahlungen aus dem Abgang von Sach- und Finanzanlagen 10.000 €
– Auszahlungen für Investitionen – 150.000 €
= Cash Flow aus Investitionstätigkeit = – 140.000 €

operativer Cash Flow 290.000 €
+ Cash Flow aus Investitionstätigkeit – 140.000 €
= Free Cash Flow 150.000 €

Von EBITDA zum Free Cash Flow

Als rechnerische Größe kann das EBITDA (Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and Amortization) aus der Gewinn- und Verlustrechnung ermittelt werden. Es ist das Ergebnis der Periode vor Berücksichtigung der Zinsen, Steuern und Abschreibungen – von dort bis hin zum Ausweis des Free Cash Flow ist es nur ein kleiner Schritt. Im Controlling ist die Ermittlung der Kennziffer EBITDA meist Standard. Addierst du nun den Cash Flow aus Investitionstätigkeit, so erhältst du den Free Cash Flow (gezeigt hier wieder an unseren Beispielzahlen von oben):

Umsatzerlöse und Bestandsveränderungen 1.000.000 €
– Materialaufwendungen – 500.000 €
– Personalaufwendungen – 200.000 €
– Abschreibungen – 100.000 €
+ Sonstige Erlöse + 10.000 €
– Sonstige Aufwendungen – 20.000 €
= Betriebsergebnis (EBIT) = 190.000 €

+ Abschreibungen + 100.000 €
= EBITDA = 290.000 €

+ Saldo aus den Einzahlungen und Auszahlungen der
Investitionstätigkeit (Cash Flow aus Investitionstätigkeit) – 140.000 €
= Free Cash Flow = 150.000 €

Gibt es auch einen negativen Free Cash Flow?

Jede Aussage über die Liquidität der Gesellschaft oder auch über den Cash Flow ist eine Momentaufnahme. Unter bestimmten Umständen kann es auch zu einem negativen Free Cash Flow innerhalb einer Periode kommen. Daher ist es immer zu empfehlen, für die Beurteilung der Finanzierungskraft des Unternehmens immer auch andere Kennzahlen zu betrachten.

Grundlage der Ermittlung des Free Cash Flow sind immer die Geldmittelflüsse innerhalb einer Periode. Verändern sich die Zahlungsgewohnheiten von Kunden, etwa weil die Zahlungsziele neu verhandelt worden und nun länger sind oder auch weil ein großer Kunde in Schwierigkeiten ist, so steigen die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in der Bilanz, nicht jedoch die Geldmittelbestände auf dem Bankkonto. Auswirkungen in der Bilanz sind nicht zu erkennen, die Liquidität leidet jedoch darunter sehr. Unter Umständen kann es dann am Bilanzstichtag zu einem negativen freien Cash Flow kommen – weil innerhalb einer Periode mehr Geld abgeflossen ist, als eingegangen.

Die Verwendung des Free Cash Flow

Der Begriff „Freier Cashflow“ täuscht – denn wirklich frei sind die Unternehmen in ihren Entscheidungen meist nicht, wofür sie die freien Mittel verwenden dürfen. Der erwirtschaftete Überschuss aus dem operativen Geschäft und aus der Investitionstätigkeit muss nämlich oft dafür genutzt werden, um Darlehen zu tilgen. Das schreiben Kreditgeber in ihren Darlehensverträgen genau vor. Als Zeichen der Finanzstärke des Betriebes beurteilen Banken und Privatanleger den Free Cash Flow sehr genau, bevor sie Geld verleihen. Außerdem können die Mittel genutzt werden, um erzielte Gewinnen auch tatsächlich auszuzahlen, zum Beispiel in Form einer Dividende an die Aktionäre.