Strategisches Controlling: Definition, Aufgaben & Beispiele

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Strategisches Controlling: Definition, Aufgaben & Beispiele

In modernen Unternehmen übernimmt das Controlling die wichtige Aufgabe, alle in den verschiedenen Abteilungen gesammelten Informationen zur Geschäftstätigkeit auszuwerten und unter bestimmten Gesichtspunkten aufzubereiten. Für ein aktives Managen aller Geschäftsabläufe legst du damit den Grundstein. Dabei geht es immer um das kurz- und mittelfristige Steuern des Betriebes und um die Entwicklung langfristiger Strategien, die die Wettbewerbsfähigkeit und damit das Überleben des Unternehmens sichern.

Die Definition des Begriffes „Strategisches Controlling“

Das strategische Controlling ist ein Teilbereich des Controllings und stellt die wichtigsten Informationen und Methoden bereit, mit denen ein Unternehmen seine geschäftlichen Prozesse langfristig kontrollieren und steuern kann. Außerdem koordiniert es abteilungs- und funktionsübergreifend alle Abläufe im allgemeinen Controlling. Damit unterstützt es die Entscheidungsfindung im strategischen Management.

Auf einen kurz- und mittelfristigen Zeitraum ausgerichtet ist dagegen das operative Controlling. Es umfasst alle Maßnahmen der Informationssammlung und -auswertung, mit denen sich Unternehmungen in den nächsten Monaten kontrollieren, steuern und planen lassen. Finanzkennzahlen wie Umsatz und Liquidität, Kosten, Ergebnis und Rentabilität spielen hier eine große Rolle.

Die Aufgaben des strategischen Controllings

Die Strategie eines Unternehmens entsteht aus seinem Leitbild und der gelebten Philosophie. Als Unternehmer steckst du hier die langfristigen Ziele, die nicht nur quantitative Schwerpunkte setzen. Mit Blick auf das Umfeld des Unternehmens und auf die Bedingungen in den verschiedenen Märkten stehen vor allem qualitative Ziele im Fokus. Aufgabe des strategischen Controllings ist es, die übergeordnete Strategie des Managements in konkrete Ziele und Maßnahmen umzuwandeln. Gleichzeitig gilt es, geeignete Methoden zu finden, mit denen die erreichten Ergebnisse der einzelnen Geschäftsfelder mit der Zielsetzung verglichen und bewertet werden können. So liefert dieser Teilbereich des Controllings wichtige Informationen als Entscheidungsgrundlage für das Management und auch das operative Controlling.

Das strategische Controlling befasst sich mit

  • der Beurteilung der Stärken und Schwächen der Unternehmung
  • der Bewertung von Chancen und Risiken im Markt
  • der Auswertung der Wettbewerbssituation
  • der Analyse von Produktlebenszyklen.
Aufgaben des strategischen Controllings
Aufgaben des strategischen Controllings

Beispiele für die Umsetzung langfristiger Ziele im strategischen Controlling

Beispiel 1 für strategisches Controlling

Ein mittelständischer Maschinenhersteller möchte langfristig auf dem amerikanischen Markt erfolgreich tätig sein. Das strategische Controlling analysiert dazu die Konkurrenzsituation und beurteilt sowohl die Chancen als auch die möglichen Risiken für das eigene Unternehmen. Dazu gehört auch, eventuelle Barrieren für den Markteintritt zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Ein Schwerpunkt ist dabei nicht nur der Aufbau eines Vertriebssystems für die Maschinen, sondern auch der Aufbau eines Kundendienstes für die spätere Wartung und notwendige Reparaturen oder die Suche nach einem dafür geeigneten Partner. Außerdem beschäftigt sich die Abteilung mit Möglichkeiten, wie sich das vorhandene Maschinensortiment flexibel auf die amerikanischen Anforderungen anpassen lässt und welche Weiterentwicklungen für europäische Kunden auch für den neuen Markt genutzt werden könnten.

Beispiel 2 für strategisches Controlling

Das Maschinenbauunternehmen hat auf dem deutschen Markt einen schweren Stand, Konkurrenten aus dem nichteuropäischen Raum bieten ähnliche Maschinen inzwischen günstiger an. Philosophie des Unternehmens ist es, mit einem hervorragenden Kundendienst sowie durch die Erfüllung individueller Anforderungen der Kunden an die Produkte die Umsätze zu stabilisieren. Ziel ist eine langfristige Bindung der Käufer an das eigene Unternehmen. Das strategische Controlling arbeitet daher noch einmal die Stärken des Vertriebs und des Services heraus und entwirft Strategien, wie aufgedeckte Schwächen konsequent behoben werden können. Auch das Sortiment steht auf dem Prüfstand. Mit einer Verlängerung des Lebenszyklus der Maschinen durch Adaptionen und Weiterentwicklungen sollen Kosten gespart werden. Das strategische Controlling schlägt Maßnahmen vor, mit denen die betrieblichen Abläufe optimiert werden können, um die Fertigung zu individualisieren und zu flexibilisieren. Mit einer Verkürzung von Bestellzeiten und einer Optimierung des Kundenservices für Wartungen und Reparaturen soll die Kundenzufriedenheit erhöht werden. Für die Auswertung solcher „weichen“ Faktoren werden Kundenbefragungen organisiert und interne Kennzahlen definiert.

Strategische Controllinginstrumente

Strategische Ergebnisse lassen sich meist schwer in Zahlen fassen, daher finden sich kaum betriebswirtschaftliche Kennzahlen im strategischen Controlling. Strategisches Controlling setzt daher verschiedene Instrumente für die qualitative Bewertung des Unternehmens ein:

  • die Potenzialanalyse, mit der unternehmensinterne Entwicklungschancen gesucht werden
  • die Stärken-Schwächen-Analyse, die auch als SWOT-Analyse bekannt ist und neben den eigenen Stärken und Schwächen auch die Chancen und Risiken des Unternehmensumfelds betrachtet
  • die Portfolioanalyse, in der es um die Bewertung des Produkt- bzw. Dienstleistungsangebots geht
  • die GAP-Analyse, bei der die strategischen Ziele mit der laufenden Geschäftsentwicklung verglichen und Lücken regelmäßig aufgedeckt (GAP) werden
  • das Aufstellen einer strategischen Bilanz, die die eigenen Stärken und Schwächen im Vergleich zur Konkurrenz bewertet
  • die Entwicklung eines Konzeptes zu den Produktlebenszyklen
  • die Darstellung der unternehmerischen Prozesse mit Hilfe einer Wertkette nach dem Ökonom Michael E. Porter, um Wertschöpfungsketten abzubilden.

Mit Hilfe strategischer Controllinginstrumente werden auch quantitative Werte ermittelt. Dabei geht es oft um die Entwicklung wichtiger Kennzahlen des strategischen Controllings über einen längeren Zeitraum. Dafür werden Bilanzentwicklungen simuliert, Prognoserechnungen angestellt und verschiedene Szenarien unter Berücksichtigung unterschiedlicher Ausgangsprämissen entworfen. Als Controller in diesem Bereich arbeitest du aktiv an

  • einem strategischen Kostenmanagement
  • der Planung des Ergebnisses des Unternehmens über mehrere Jahre (auch Ergebnisplan genannt)
  • der Wertsteigerungsanalyse (Shareholder Value Analysis – Aktionärswert), also an der Analyse der Entwicklung des Eigenkapitals
  • dem Performance Management (Stakeholder Value Analysis), der Steuerung der verschiedenen Ansprüche von Eigentümern, Kapitalgebern, Mitarbeitern, Lieferanten an das Unternehmen.

In vielen Unternehmen arbeitet das strategische Controlling eng mit dem Management der Unternehmung zusammen. Nicht immer gibt es dafür eigene Abteilungen, oft übernimmt das unternehmensinterne Controlling sowohl das operative als auch das strategische Controlling.