Liquidität 2. Grades: Definition, Formel & Berechnung

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Liquidität 2. Grades: Definition, Formel & Berechnung

Allgemein versteht man unter dem Begriff Liquidität die Fähigkeit, die offenen Verbindlichkeiten zum richtigen Zeitpunkt in einer ausreichenden Höhe zu begleichen. Dabei vergleichst du also immer deine Außenstände mit deinem Vermögen, das dir zu einem Stichtag zur Verfügung steht. Unternehmer und Banker möchte es jedoch genauer wissen und definieren als betriebswirtschaftliche Kennzahlen verschiedene Liquiditätsgrade.

Die Definition der Liquidität 2. Grades

Die Kennzahlen der Liquidität werden im Rahmen einer Bilanzanalyse zum Tag des Jahresabschlusses ermittelt. Betriebswirtschaftler unterscheiden zwischen

  • der Liquidität 1. Grades, auch als Barliquidität bezeichnet
  • der Liquidität 2. Grades, auch einzugsbedingte Liquidität genannt
  • der Liquidität 3. Grades, die auch als umsatzbedingte Liquidität betitelt wird.

Ein Unternehmen gilt dann als liquide, wenn es seinen Zahlungsverpflichtungen jederzeit und in der richtigen Höhe nachkommen kann. Die hier genannten Liquiditätsgrade betrachten jedoch nur die in der Bilanz ausgewiesenen Verbindlichkeiten und vergleichen sie mit dem vorhandenen Vermögen. Künftige Mieten oder Raten aus Leasingverträgen bleiben so unberücksichtigt. Die Angabe der Liquiditätsgrade erfolgt als Kennzahl oder als Prozentwert.

Die Liquidität 1. Grades setzt die flüssigen Barmittel (Bankguthaben, Kassenbestand, Schecks) zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten ins Verhältnis. Die Liquidität des 2. Grades ist dagegen das Verhältnis zwischen der Summe aller leicht liquide zu machenden Werte (flüssige Mittel, kurzfristige Forderungen, leicht zu verkaufende Wertpapiere des Umlaufvermögens) und der Gesamtheit der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Mit einer Formel lässt sich der Liquiditätsgrad 2 leicht berechnen:

Liquidität 2. Grades = (Flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Wertpapiere des Umlaufvermögens) / kurzfristige Verbindlichkeiten

Die Bedeutung dieser betriebswirtschaftlichen Kennzahl

Eine ausreichende Liquidität ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Fortbestehen eines Unternehmens. Insofern zeugen die verschiedenen Liquiditätsgrade vom wirtschaftlichen Erfolg des laufenden Betriebes und von der Finanzkraft der Unternehmung. Diese Kennzahlen sind daher auch ein Kernstück der Bewertung von Unternehmen durch die Bilanzanalysten der Kreditinstitute. Mit anderen Worten – sie gehören zum Ratingprozess und fließen in Kreditentscheidungen ein. Als Richtwert für die Liquidität 2. Grades gilt 100 % bzw. der Quotient 1 – das heißt, dass alle kurzfristigen Verbindlichkeiten durch kurzfristiges Vermögen finanziert werden sollte. In der Bankenpraxis wird diese Empfehlung auch als „Bankers Rule“ bezeichnet. Es herrscht eine Fristenkongruenz – kurzfristige Verbindlichkeiten werden durch kurzfristiges Vermögen gedeckt.

Welche Einzelposten der Bilanz werden bei der Liquidität 2. Grades berücksichtigt?

Willst du die Liquidität 2. Grades berechnen, so benötigst du diese Werte aus der Bilanz:

Flüssige Mittel:

  • Kassenbestand
  • Bankguthaben
  • noch nicht eingelöste bzw. gutgeschriebene Schecks

Kurzfristige Forderungen:

  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
  • Forderungen aus Steuern
  • Sonstige Vermögensgegenstände, die kurzfristig liquide sind

Wertpapiere des Umlaufvermögens:

  • jederzeit handelbare Aktien, Anleihen, etc.

Kurzfristige Verbindlichkeiten:

  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
  • Kurzfristige sonstige Verbindlichkeiten (z.B. aus Steuern, Sozialversicherung, Rückstellungen)
  • Kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber den Kreditinstituten (z.B. Kontokorrentkredite, Darlehensanteile mit Fristigkeit kleiner als 1 Jahr)

Die Anwendung der Formel für die Liquidität 2. Grades anhand eines Beispiels

Die Jahresbilanz zum Stichtag 31.12. einer Gärtnerei könnte so aussehen:

Aktiva in € Passiva in €
A Anlagevermögen 250.000 A Eigenkapital 176.000
II Sachanlagen 250.000 B Rückstellungen

(kurzfristig)

12.000
B Umlaufvermögen 69.500 C Verbindlichkeiten 134.000
I Vorräte 12.000 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 125.000
II Forderungen 12.000 davon fällig innerhalb eines Jahres 32.500
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 10.000 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 6.500
Sonstige Vermögensgegenstände 2.000 Sonstige Verbindlichkeiten 2.500
III Wertpapiere
Sonstige Wertpapiere 10.000
IV Kassenbestand, Guthaben bei Kreditunternehmen, Schecks 35.500
Kassenbestand 500
Guthaben Bank I 35.000
C Rechnungsabgrenzungsposten 2.500
322.000 322.000

Flüssige Mittel: 35.500 €

kurzfristige Forderungen: 12.000 €

Wertpapiere des Umlaufvermögens: 10.000 €

Kurzfristige Verbindlichkeiten: 53.500 €

Liquidität 2. Grades = (35.500€ + 12.000 € + 10.000 €) / 53.500 € = 1,07

Damit erreicht die Gärtnerei einen nahezu optimalen Wert für die Liquidität 2. Grades. Der Richtwert von 100 Prozent wird fast eingehalten, alle kurzfristig fälligen Verpflichtungen können durch die vorhandenen finanziellen Mittel bezahlt werden.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Liquidität 2. Grades zu beeinflussen?

Als Unternehmer solltest du daran denken, dass die Jahresbilanz nur eine Momentaufnahme ist – sie bildet die Zahlen zum Bilanzstichtag ab. Alle betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, die auf dieser Grundlage im Controlling oder im Rating der kreditfinanzierenden Bank ermittelt werden, kannst du gezielt und ganz legal beeinflussen – auch, um den Richtwert für den Liquiditätsgrad 2 zu erreichen:

  • Halte deine Vorräte gering, kaufe neue erst nach dem Bilanzstichtag.
  • Verkaufe fertige Erzeugnisse unbedingt noch im alten Jahr, so erhöhst du deine Forderungen oder deine flüssigen Mittel.
  • Nutzt du deinen Kontokorrentkredit und kannst ihn nicht mehr zeitnah ausgleichen, dann verhandle mit der Bank, um ihn in einen mittelfristigen Ratenkredit umzuwandeln.