Lean Management: Definition, Prinzipien & Methoden

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Lean Management: Definition, Prinzipien & Methoden

Lean Management ist einer der Begriffe, dem du in der betriebswirtschaftlichen Praxis am häufigsten begegnest. Die fast inflationäre Verwendung des Begriffs in allen Branchen hat dazu geführt, dass heutzutage vielen Managern, Mitarbeitern und Wirtschaftsstudenten nicht mehr klar ist, was darunter konkret verstanden wird. Aufgrund der großen praktischen Bedeutung quer durch alle Industrien ist ein Verständnis der Prinzipien und Methoden von Lean Management ein absolutes Muss für alle Leute mit einem betriebswirtschaftlichen Hintergrund.

Die Definition von Lean Management

Die Übersetzung des englischen Begriffs in das Deutsche (Schlankes Management) wird der Definition von Lean Management nicht ansatzweise gerecht. Lean Management bezeichnet eine Management-Philosophie, deren Prinzipien und Methoden darauf abzielen, die gesamte Wertschöpfungskette industrieller Güter möglichst effizient zu gestalten. Effizient bedeutet in diesem Zusammenhang, ein Ziel mit einem möglichst geringen Aufwand zu erreichen. Die Philosophie des Lean Managements zielt demnach darauf ab, durch eine kontinuierliche Prozessoptimierung in allen Bereichen der Wertschöpfungskette eines Unternehmens jede Form von Verschwendung zu minimieren, um unnötige Kosten zu vermeiden. Gleichzeitig strebt Lean Management danach, Fehler zu verhindern und somit für eine bestmögliche Qualität der Produkte und Leistungen zu sorgen.

Lean Management ist ein prozessorientierter Management-Ansatz, bei dem alle Prozesse eines Unternehmens auf Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten hin untersucht werden. Zudem ist Lean Management eine zutiefst kundenorientierte Philosophie. Die Feststellung von Verschwendung und Qualitätsmängeln erfolgt im Lean Management nicht nur aus Sicht des Unternehmens, sondern primär aus Sicht des Kunden. Er ist die zentrale Figur, auf die sich die Prinzipien und Methoden des Lean Managements fokussieren.

Der historische Hintergrund von Lean Management

Die Methoden des Lean Managements gehen auf den japanischen Automobilkonzern Toyota zurück, der in den 1950er-Jahren eine Systematik entwickelte, die Produktionsabläufe zu synchronisieren und kontinuierlich im Hinblick auf Ressourcen, Durchlaufzeiten und Qualität zu optimieren. Internationale Beachtung fand das Toyota-System durch die Bücher der Wissenschaftler James P. Womack und Daniel T. Jones.

Während Lean Management in den Anfangsjahren im Wesentlichen deckungsgleich war mit dem Verständnis von Lean Production, wird der Begriff heutzutage auf nahezu alle Bereiche der Wertschöpfungskette angewendet, von der Instandhaltung (Lean Maintenance) bis zur Verwaltung (Lean Administration).

Die Zielsetzungen des Lean Managements

Die Hauptzielsetzung des Lean Managements liegt darin, Verschwendung zu minimieren, Überflüssiges wegzulassen und Prozesse zu optimieren, sodass sie perfekt miteinander harmonieren. Im Rahmen des Lean Managements werden alle Prozesse eines Unternehmens, die zur Wertschöpfung beitragen, untersucht und optimiert. Durch diese Optimierung bzw. Verschlankung werden sowohl Kosten als auch Zeit gespart, was es Unternehmen ermöglicht, effizienter zu agieren.

Vor allem in der Produktion und Logistik ist Lean Management meist tief verankert. In den Produktions- und Logistikprozessen verfolgt Lean Management vor allem die Zielsetzungen einer Reduzierung der Fehlerquote, einer Verbesserung der Produktqualität und einer Verringerung der Lagerbestände.

Aber auch im Personalbereich verfolgt Lean Management wichtige Zielsetzungen. So sollen unter anderem verkrustete Unternehmensstrukturen aufgebrochen, überflüssige betriebliche Bürokratie abgebaut und die Mitarbeiterzufriedenheit gesteigert werden. Die Mitarbeiter eines Unternehmens sind wichtiger Bestandteil der Lean Management Philosophie. Sie werden in die Optimierungs- und Verschlankungsprozesse miteinbezogen und sollen dafür gezielt ihre Kompetenzen einsetzen.

Die Kernprinzipien des Lean Managements

Die folgenden fünf Kernprinzipien nach Womack und Jones stellen die Basis aller Lean Management Aktivitäten eines Unternehmens dar.

Definition des Werts aus Sicht des Kunden

Wie bereits zuvor erwähnt, ist Lean Management eine äußerst kundenorientierte Philosophie. Die Bedürfnisse des Kunden stehen dabei im Zentrum der Aktivitäten eines Unternehmens. Den Wert aus Sicht des Kunden zu definieren bedeutet, dass ein Unternehmen bei der Entscheidung, was produziert werden soll, immer das Kundeninteresse in den Vordergrund stellt. Kernprinzip von Lean Management ist es, dass der Kunde

  • zur richtigen Zeit
  • am richtigen Ort
  • das auf seine Bedürfnisse am besten zugeschnittene Produkt
  • in der bestmöglichen Qualität
  • und zum bestmöglichen Preis

bekommt.

Identifikation des Wertstroms

Unter diesem Kernprinzip wird verstanden, dass alle Prozesse eines Unternehmens, die für die Erstellung von Leistungen notwendig sind (der sogenannte Wertstrom) – von der Beschaffung von Rohmaterial bis zur Auslieferung des fertigen Produkts an den Kunden –, vollumfänglich betrachtet werden. Unternehmen, die ihren Wertstrom im Detail kennen, sind in der Lage, ihr gesamtes Produktionssystem optimal darauf auszurichten und ihre Ressourcen effizient zu nutzen. Die Konzentration auf alle wertschöpfenden Prozesse verhindert somit Verschwendung in einem Unternehmen und unterstützt die konsequente Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse.

Umsetzung des Fluss-Prinzips

Viele Unternehmen grenzen einzelne Teilbereiche voneinander ab, die in der Folge individuell optimiert werden. Besonders größere Organisationen neigen dazu, derartige Abteilungsgrenzen zu definieren. In der betriebswirtschaftlichen Praxis führt die individuelle Optimierung einzelner Abteilungen jedoch nicht selten dazu, dass die Gesamtorganisation aufgrund von Brüchen zwischen den Abteilungen nicht mehr optimiert ist. Dem wirkt das Fluss-Prinzip entgegen. Es besagt, dass die Produktion in einem Unternehmen über alle Abteilungsgrenzen hinweg kontinuierlich und geglättet ablaufen sollte. Klassische Brüche, wie beispielsweise Zwischenlager und Pufferbestände, sind dabei möglichst zu vermeiden. Das Fluss-Prinzip sorgt somit für eine flexible, auftragsbezogene und effiziente Steuerung des Wertstroms.

Einführung des Pull-Prinzips

In vielen Unternehmen erfolgt die Produktion nach den Planungsvorgaben der Produktionsabteilung, um eine maximale Auslastung der Produktionsanlagen zu gewährleisten. Wenn Unternehmen jedoch konsequent nach dem Wertstrom- und dem Fluss-Prinzip ausgerichtet sind, wird erst dann produziert, wenn die Nachfrage von Kunden da ist oder die Warenbestände ein Minimum erreicht haben. Das Pull-Prinzip besagt demnach, dass der Anstoß zur Produktion von Seiten des Kunden erfolgen sollte (Pull) und nicht nach den Vorgaben der Produktion (Push).

Anstreben von Perfektion

Perfektion ist ein Zustand, der in einem Unternehmen niemals erreicht, sondern nur angestrebt werden kann. Da Unternehmen mit sich ständig ändernden Rahmenbedingungen konfrontiert sind, müssen sie ein System der kontinuierlichen Verbesserung etablieren. Basis dieses kontinuierlichen Verbesserungsprozesses stellen die eigenen Mitarbeiter dar. Sie sind im Rahmen des Lean Managements dazu aufgefordert, die Abläufe im Unternehmen tagtäglich zu hinterfragen und ihre eigenen Ideen einzubringen.

Die Methoden des Lean Managements

Lean Management bedeutet immer eine ganzheitliche Betrachtung des Gesamtsystems eines Unternehmens. Um ein Unternehmen in seiner Gesamtheit zu optimieren, kommen im Rahmen des Lean Managements spezielle Analysemethoden zum Einsatz, mit denen die komplexen Zusammenhänge transparent dargestellt werden können. Sie machen den Blick auf bestehende Unwirtschaftlichkeiten und ungenutzte Potenziale frei. Die wichtigsten Methoden des Lean Managements sind:

Die Wertstromanalyse

Die Wertstromanalyse dient zur Visualisierung von Material- und Informationsflüssen in einer Unternehmensorganisation. Sie ist sozusagen eine „Landkarte der Arbeit“, die sowohl wertschöpfende als auch nicht-wertschöpfende Prozesse in einer Organisation sichtbar macht. Diese Prozesskarte erlaubt es, Fehler und Unwirtschaftlichkeiten zu identifizieren.

Der PDCA-Zyklus

Der PDCA-Zyklus beschreibt eine Methode des Lean Managements, die die meisten Menschen im Alltag befolgen. Die Abkürzung steht für „plan – do – check – act“. Ein Einkauf wird beispielsweise im Vorfeld geplant und in der Folge durchgeführt. Im Anschluss wird der Einkauf auf Richtigkeit und Vollständigkeit hin überprüft und beim Fehlen von Dingen noch einmal nachgekauft. Bei jedem einzelnen Einkauf werden Erfahrungen gemacht und der Prozess verbessert. Der PDCA-Zyklus hilft Unternehmen somit, ihre Prozesse kontinuierlich zu optimieren.

Kanban

Kanban ist eine der einfachsten und gleichzeitig bekanntesten Methoden des Lean Managements. Seinen Ursprung hat Kanban ebenfalls beim japanischen Autobauer Toyota. Kanban steht für „Karte“ oder „Tafel“. Auf den „Kanban-Karten“ werden Tätigkeiten in drei (oder mehr) Spalten eingeteilt. Die Grundform hat die drei Spalten „Was muss getan werden?“, „Was wird gerade bearbeitet?“ und „Was ist fertig?“. Kanban hilft den Mitarbeitern, sich selbst besser zu organisieren und Aufgabenstaus rechtzeitig zu erkennen.

Poka-Yoke

Poka-Yoke ist eine weitere Lean Management-Methode, die ihren Ursprung in Japan hat. Poka-Yoke bedeutet wortwörtlich übersetzt „unglückliche Fehler vermeiden“. Das Ziel dieser Methode ist es demnach, Fehler am fertigen Produkt zu vermeiden, indem bereits im Produktionsprozess Fehler ausgeschlossen werden. Bei Poka-Yoke denkt ein Unternehmen nicht nur darüber nach, welche eigenen Fehler es vermeiden kann, sondern auch welche ungewollten Fehler ein Kunde mit dem Produkt begehen kann.

Total-Quality-Management

Total-Quality-Management, kurz TQM, ist eine der bekanntesten und am häufigsten eingesetzten Methoden des Lean Managements. Mit TQM wird ein umfassendes Qualitätsmanagement in einem Unternehmen bezeichnet, das dazu dient, Qualität als Gesamtziel einzuführen und dauerhaft zu garantieren. Auch TQM wurde ursprünglich durch die japanische Automobilindustrie entwickelt, bevor die Methode ihren weltweiten Siegeszug antrat. Mehr als alle anderen Methoden des Lean Managements benötigt die erfolgreiche Umsetzung von TQM die volle Unterstützung aller Mitarbeiter eines Unternehmens.