Fremdkapitalquote: Definition, Formel & Berechnung

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Fremdkapitalquote: Definition, Formel & Berechnung

Bei der Beurteilung der Kapitalstruktur eines Unternehmens zählt die Fremdkapitalquote zu den wichtigsten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Für Kreditentscheidungen vergleichen Banken und andere Investoren die ermittelten Werte aus der Bilanzanalyse auch mit brancheninternen Richtwerten anderer Unternehmungen. Dabei ist die Aufnahme von Fremdkapital (also das Schuldenmachen) in der Geschäftswelt kein Makel, wenn entsprechende Investitionen getätigt werden. Ganz im Gegenteil – mit Hilfe fremder Mittel kannst du die Rendite deines eigenen Kapitals anheben.

Die Definition der Kennzahl Fremdkapitalquote

Jede Unternehmung finanziert sich durch die Einbringung von Kapital. Als Fremdkapital verstehen sich dabei alle finanziellen Mittel, die nicht durch Eigentümer, Gesellschafter oder andere am Unternehmen beteiligte Dritte eingebracht werden. Die Kapitalstruktur setzt sich also aus Eigenkapital und Fremdkapital zusammen.

Die Fremdkapitalquote definiert sich als Verhältnis des Fremdkapitals am Gesamtkapital des Unternehmens.

Für das selbst eingebrachte Kapital lässt sich analog die Eigenkapitalquote ermitteln. Eigenkapital- und Fremdkapitalquote zusammen ergeben wieder 100 Prozent.

So wird die Fremdkapitalquote berechnet

Willst du die Fremdkapitalquote berechnen, findest du alle Werte in der jährlichen Bilanz des Unternehmens. In der Gliederung der Bilanz nach Handelsgesetzbuch (§266 HGB) findest du das Eigenkapital als Position A der Passivseite. Die Positionen B und C, also die Rückstellungen sowie alle Verbindlichkeiten, gehören zum Fremdkapital.

Die Formel für die Fremdkapitalquote:

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Gesamtkapital * 100

Der errechnete Wert wird in Prozent angegeben.

Ein Beispiel für die Berechnung der Fremdkapitalquote

Die Jahresbilanz eines Unternehmens aus dem Maschinenbau zeigt auf der Passivseite diese Werte:

  • A Eigenkapital 70 Millionen Euro
  • B Rückstellungen 5 Millionen Euro
  • C Verbindlichkeiten 125 Millionen Euro
  • Bilanzsumme 200 Millionen Euro

Die Summe des Fremdkapitals (B+C) beträgt also 130 Millionen Euro, das Gesamtkapital 200 Millionen Euro. Setzt du diese Werte in die Formel für die Fremdkapitalquote ein, erhältst du

Fremdkapitalquote = 130 Millionen Euro / 200 Millionen Euro * 100 = 65 %

Das Verhältnis zwischen Fremd- und Eigenkapital

Im Gegensatz zu Eigenkapital steht Fremdkapital nur zeitlich befristet zur Verfügung. Es muss innerhalb der vereinbarten Frist zurückgezahlt werden. Außerdem verlangen die Kapitalgeber eine Vergütung – den Zins für ihre Leistung. Fremdkapital entspricht also eigentlich Schulden deiner Unternehmung. Setzt du beide Kapitalanteile zueinander ins Verhältnis, so erhältst du den Verschuldungsgrad:

Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Eigenkapital * 100

In unserem Beispiel beträgt der

Verschuldungsgrad = 130 Millionen Euro / 70 Millionen Euro * 100 = 185 %

Die Interpretation der Fremdkapitalquote

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital zeugt von finanzieller Stabilität einer Unternehmung. Welches Verhältnis tatsächlich angemessen ist, hängt auch von der Branche ab. Große kapitalstarke Konzerne benötigen traditionell weniger Fremdkapital als kleine mittelständische Betriebe. Anlagenintensive Hersteller in der Industrie mit hohem Kapitalbedarf weisen wiederum eine höhere Fremdkapitalquote aus als Einzelhandelsgeschäfte. Als guter Zielwert gilt ein Anteil des Fremdkapitals zwischen 60 und 75 Prozent am Gesamtkapital. Das entspricht einer Eigenkapitalquote zwischen 25 und 40 Prozent. Der im Beispiel gezeigte Maschinenhersteller weist mit einem Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital von 65 Prozent eine sehr gute Quote auf. Auch der Verschuldungsgrad ist positiv zu bewerten.

Investitionen können innerhalb des Betriebes meist nur durch die Aufnahme von zusätzlichem Kapital geschultert werden. Damit werden in Finanzentscheidungen aber immer auch Betriebsfremde mit einbezogen. Mit wachsendem Verschuldungsgrad steigt somit die Abhängigkeit von Kreditgebern.

Ein hoher Anteil an Fremdkapital innerhalb der Unternehmung geht natürlich mit entsprechenden Tilgungs- und Zinsverpflichtungen einher. Wenn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Liquidität fehlen sollte, können die Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden. Somit steigt für die Investoren das Risiko, ihr Kapital zu verlieren. Die Fremdkapitalquote ist immer auch ein Indikator für das bestehende Kapitalrisiko. Das schlägt sich in der Fremdfinanzierung in höheren Zinssätzen nieder. Weist dein Betrieb also bereits eine hohe Quote des Fremdkapitals auf, so werden Banken weiteren Kreditaufnahmen kritisch gegenüberstehen. Sie werden einen entsprechend hohen Zinssatz anbieten oder sogar zusätzliche Sicherheiten verlangen.

So kannst du die Kapitalquoten beeinflussen

Mit deinen Geschäfts- und Investitionsentscheidungen kannst du die Struktur deines Kapitals selbst gestalten. Dabei hilft es dir, den Zielwert für den Eigen- bzw. den Fremdkapitalwert in deiner Branche und für deine Unternehmensgröße zu kennen. Solche Daten kannst du bei deiner finanzierenden Bank oder auch bei deinem Steuerberater erfragen. Rein rechnerisch gibt es zwei Möglichkeiten, die Struktur deines Kapitals – und damit seiner Quote – zu verändern:

  • du erhöhst dein Eigenkapital
  • du verringerst die Bilanzsumme und damit das Gesamtkapital

Für die Stärkung des Eigenkapitals bieten sich zusätzliche Einlagen des Eigentümers oder des Gesellschafters an. Diese müssen dann aber ausdrücklich so bezeichnet werden. Gibt ein Beteiligter Geld in die Unternehmung, so geschieht das oft unter der Annahme, dass dieses wieder zurückgezahlt wird. Solche „Darlehen“ sind dann in der Bilanz oft als Fremdkapital ausgewiesen. Ist das in deiner Bilanz auch so, so kannst du eine Rangrücktrittserklärung abgeben. Dann dürfen diese Darlehen erst zurückgezahlt werden, wenn die Bank vollständig bedient ist. Damit gelten sie dann als Eigenkapital.

Die Bilanzsumme kannst du verringern, indem du

  • Forderungen verkaufst (zum Beispiel an ein Factoring-Unternehmen) und die Erlöse für die Reduzierung von Verbindlichkeiten nutzt
  • nur noch wenig verzinste Sparguthaben auflöst und Rechnungen künftig mit Skonto bezahlst
  • Vermögensgegenstände (wie Maschinen oder Anlagen) an einen Leasingpartner verkaufst und gleichzeitig wieder zurückmietest (Sales-and-lease-back-Geschäft).
    Berate dich hier aber vorab mit deinem Steuerberater, um alle steuerlichen Besonderheiten zu berücksichtigen.

Auch künftige Finanzierungsentscheidungen solltest du unter dem Gesichtspunkt deiner Kapitalstruktur treffen. So lohnt es sich, die hochpreisige Computeranlage nicht über einen Bankkredit zu finanzieren, sondern ein Leasingangebot zu nutzen. Bilanziert wird das Wirtschaftsgut dann beim Leasinggeber, in deiner Bilanz bleibt es unberücksichtigt. Der Vertrag löst keine neuen Verbindlichkeiten aus, so dass sich weder Fremdkapitalquote noch Kapitalrisiko erhöhen.